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Eroica Limburg (Teil 2): Das Rennen

Die Eroica Limburg 2017 startete mitten im beschaulichen Valkenburg. Nachdem ich einige hundert Meter durch das niederländische Städtchen gerollt bin, vorbei an Cafés, in denen vermutlich einen Abend vorher noch gefeiert wurde, führte mich die Strecke in die Katakomben der Stadt. Dort erwartete mich ein Netz aus unterirdischen Gängen, die kunstvoll mit Strahlern in Szene gesetzt wurden. Dazu schallte Musik von Kraftwerk laut durch die historische Anlage. Was für ein Start, was für eine Atmosphäre! Großartig!

Schon jetzt war mir klar, dass dieser Tag ein ganz besonderer werden würde. Auch wenn dies der einzige Streckenabschnitt im Trockenen sein sollte. Denn draußen schüttete es wie aus Kübeln. Vor mir lagen 100 Kilometer mit 1.060 Höhenmetern. Nach den Katakomben ging es wieder einige Meter durch die Stadt und sodann den legendären Cauberg rauf. Der 800 Meter lange Anstieg mit einer Höhendifferenz von 60 Metern ist durchaus knackig! Zumal mein Koga Miyata von 1984 mit einer 52/42 Übersetzung ausgestattet ist. Die Steigung hat bis zu 12 Prozent. Oben auf dem Cauberg angekommen, war ich nicht nur durchgeschwitzt, sondern auch nass geregnet!

Von Holland nach Belgien

Weiter ging es nach Eijsden-Magraten. Der Untergrund wechselte nun erstmalig von Asphalt zu Sand- äh… Schlammwegen. Die landwirtschaftlichen Feldwege, über die die Strecke in großen Teilen führte, waren vom Regen durchtränkt. Nun war ich nicht nur nass, sondern auch richtig dreckig. So dreckig, wie ich es eigentlich nur von Schlammtouren auf dem MTB durchs Siebengebirge kenne. Jetzt also auch hier. Bis zu meiner Ankunft um 16 Uhr sollte der Schlamm sich durch meine Klamotten bis in jede Pore gefressen haben. Erst schwarzer Schlamm, dann lehmfarben und schließlich rot. Aber egal … jetzt, in Magraten, war erstmal Pause angesagt.

Auf einer Wiese wurden mit Marmelade gefüllte Äpfel und Limonaden serviert. Dieser erste kurze Stopp brachte zudem das bis dahin etwas auseinander gerissene Teilnehmerfeld wieder zusammen. Magraten ist nicht nur wegen seines Obstanbaus bekannt, sondern auch wegen des Soldatenfriedhofs – der einzige Ehrenfriedhof der USA in den Niederlanden. 8.800 Soldaten sind hier begraben. Ich habe mir einen Besuch geschenkt, wenngleich die Strecke quasi über den Friedhof führte.


Gemeinsam mit einem britischen Paar bin ich dann weiter nach Gronsveld geradelt. Am Rijckholt Castle war die erste richtige Rast angesagt. Köstliche Kirschpfannkuchen, Kaffee und – wer es mag (ich nicht) – gebratene Blutwurst. Für meinen Geschmack kamen die ersten beiden Stopps des Tages etwas früh. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Hunger. Später am Nachmittag hätte ich eine kleine Zwischenmahlzeit durchaus gut gebrauchen können. Glücklicherweise fahre ich aber nie ohne einen Notfall-Müsliriegel, der mich auch bei der Eroica Limburg vor dem sonst sicheren Hungerast bewahrte.

Wer sein Rad liebt, schiebt

Nach etwa 30 Kilometern führte die Strecke nach Belgien. Mit einer kleinen Personenfähre ging es über die Maas. Spätestens jetzt war klar, dass das schlechte Wetter der Stimmung nichts anhaben konnte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich heute alleine unterwegs war – in jedem Fall bin ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch gekommen. Die Teilnehmer bei der Eroica sind wunderbar gelassen. Es wurde super rücksichtsvoll gefahren. Ich habe mich lange mit einem Holländer unterhalten, der ebenfalls auf einem Koga Miyata unterwegs war – und im Unterschied zu mir auch das passende Trikot trug. Unsere Wege trennten sich, als er irgendwann im Wald einen Platten hatte.

Anders als ich fuhr er mit Schlauchreifen und hatte selbst keinen Ersatzschlauch dabei, sodass er auf den Repair Service warten musste. Ich habe keine Ahnung, wann er im Ziel war. Dummerweise hatte er die Panne auch noch im Wald. Schätzungsweise zwei Kilometer wird er bis zur nächsten Straße sein Schätzchen geschoben haben.

Apropros Pannen: Bei einer Eroica gehören Pannen genauso dazu wie Wolltrikots. Irgendwo steht immer jemand am Straßenrand, um sein Material wieder in Ordnung zu bringen. Die Hilfsbereitschaft im Teilnehmerfeld ist dabei groß. So habe ich auch den Briten John kennengelernt, der auf der Suche nach einem Schraubenzieher war, um seine über 50 Jahre alte Schaltung einzustellen. Wir sind ziemlich lange gemeinsam gefahren und haben uns über alles mögliche unterhalten. Als echter Brite ist John bei dem Sauwetter natürlich in kurzer Hose und kurzem Trikot gefahren. 15 Grad und Regen – für John ganz normales Sommerwetter. 🙂

Steinige Pisten und jede Menge Schlamm

Die zweite und letzte Rast folgte in Millen bei De Waterbucht. Hier konnte man sich, wie auch schon zuvor in Magraten, einen Stempel abholen. Denn bei der Eroica gibt es keine Zeitmessung. Hier in Millen wartete ein historisches Gebäude mit wunderschönem Garten auf die Radfahrer. Die wärmende Suppe hat richtig gut getan. Außerdem konnte man sich eine beeindruckende Privatsammlung alter Radtrikots ansehen.

Ich habe lange geglaubt, selbst von Pannen verschont zu bleiben. Doch irgendwann hat es auch mich erwischt: Mein Vorderrad war platt. Kurz zuvor bin ich über eine super steinige, knöcheltiefe Schlammpiste geknallt. Mindestens faustgroße Steine badeten hier im tiefen Dreck. Die anfänglichen Hemmungen, solche Strecken mit 25 mm breiten Reifen zu befahren, waren zu dem Zeitpunkt schon lange verflogen. Irgendwann war es mir schlichtweg egal. Ich fuhr einfach, vielleicht auch, um solche Streckenabschnitte schnell hinter mich zu bringen. Ich war mehr als einmal froh, von Zeit zu Zeit auch Mountainbike zu fahren. Bei der Eroica Limburg 2017 handelte es sich um einen perfekt MTB-Kurs …

Eigentlich ist das Wechseln eines Schlauchs mit wenigen Handgriffen erledigt. Doch ich stand hier mit einem völlig zugesauten Fahrrad mitten im Schlamm. Um den neuen Schlauch möglichst vom Dreck zu verschonen, habe ich meine Hände (die bereits dank meines roten lederbezogenen Lenkers gefärbt waren) überall dort abgeputzt, wo noch ein sauberes Fleckchen war. Auf diese Weise habe ich ein feines Geschmisch aus Öl und Schlamm auf meinen Klamotten verteilt – bis auf die Haut… Ich habe drei Ersatzschläuche mit mir geführt. Die Strecke der Eroica Limburg ist deutlich schlechter beschaffen als beispielsweise die des Originals in Gaiole. Darauf sollten sich Teilnehmer einstellen. Auch war ich super froh, keine Schlauchreifen zu haben. Bei dem Dreck und Regen hätte ich einen Wechsel nicht hinbekommen. Geübten Schlauchreifen-Fahrern mag das anders gehen.

Auf den Spuren des Amstel Gold Race

Die weitere Strecke führte durch malerische Landschaften der Wallonie. Kleine Anstiege, kurze Abfahrten und nette Gespräche. Ich habe Leute aus zig Ländern getroffen. Trotz des Wetters – ich habe es nicht eine Sekunde bereut, hier an den Start gegangen zu sein.

Nach rund 70 Kilometern nähert man sich wieder Valkenburg. Die Nähe ist trügerisch. Denn vor dem Ziel wollen noch einige knackige Anstiege bezwungen werden. Die „Heldenhafte“ macht hier ihrem Namen alle Ehre. Auf den Spuren des Amstel Gold Race fährt man quasi noch einmal um Valkenburg herum. Gegen 16 Uhr bin ich dann völlig dreckig, nass und durchgefroren – gemeinsam mit John, den ich irgendwann am Berg wieder getroffen hatte – ins Ziel gerollt.

Im Ziel erwartet einen ein schönes Fest – es gibt Essen, einen kleinen Radteile-Markt und ein historisches Karussell. Dazu Live-Musik. Bei Sonnenschein hätte ich gerne noch ein paar Stunden im Gras gelegen und meine erste Eroica-Teilnahme gefeiert. Jetzt hieß es für mich allerdings: Sachen packen und ab zur Hochzeit meines Cousins.

Ich hätte mir gewünscht, mein Rad und mich selbst irgendwo mit Wasser abspritzen können. Denn so, wie ich war, konnte ich unmöglich ins Auto steigen. Ich habe mich also auf dem Parkplatz vor dem Auto ausgezogen. Alle Klamotten in eine Mülltüte gesteckt und die Beine mit Mineralwasser etwas sauber gespült. Das Fahrrad habe ich auf eine Plane in den Kofferraum gelegt. So konnte ich wenigstens die 350 Kilometer bis zu meinem Vater fahren. Dort gab es dann auch den ersehnten Wasserschlauch. Zumindest der grobe Schmutz ließ sich so mühelos entfernen. Zurück in Bonn habe ich meinem treuen Koga Miyata noch eine gründliche Reinigung verpasst.

Im Oktober 2017 bin ich in Gaiole in der Toskana an den Start gegangen. Bei der L’Eroica habe ich mit ein paar Leuten auch über Limburg gesprochen. Sie hatten gehört, dass der Streckenzustand katastrophal sei und die Stimmung bei keiner Eroica besser. Ersteres kann ich so nicht bestätigen. Zumindest geübte Fahrer sollten keine Probleme haben. Ob die Stimmung soviel besser ist, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß aber ganz sicher, dass ich wieder kommen werde. Die Eroica Limburg 2017 war ein wahres Vergnügen!

Und so sitze ich hier, schmiede Pläne für das kommende Jahr und freue mich schon total auf die nächste Edition. Am 30. Juni 2018 geht es wieder los!

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